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Märkisches Sauerland e.V.
Staatlich anerkannte Beratungsstelle

Augustastraße 10
58509 Lüdenscheid

Tel: 02351 / 679116
Fax: 02351 / 679117

eMail:
beratungsstelle@dvmk.de

Spendenkonto: 18009902
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Erfahrungsberichte typischer Konfliksituationen

Vielfach hilft es zu sehen, das es viele Frauen mit ganz ähnlichen Problemen gibt. Wir haben die typischen, häufig wiederkehrenden Beratungsinhalte, -situationen und Konfliktgründe durch intensive Beobachtung und Analyse herausgearbeitet.

Diese Beispiele sollen die Scheu nehmen, sich offen an uns zu wenden, aber auch die Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen, bei denen wir beraten können und Hilfestellung geben.

Probleme mit dem Alter
Eine Frau 41 Jahre kommt in der 6.SSW zur Konfliktberatung. Sie ist verheiratet und zweifache Mutter erwachsener Kinder. Sie wird in drei Monaten zum ersten Mal Oma. Die Frau schämt sich nochmals schwanger geworden zu sein. Diese Lebensphase meinte sie hinter sich gelassen zu haben. Sie will jetzt Oma werden. Sie sieht sich außerstande ein weiteres Kind großzuziehen und kann sich auch nicht vorstellen, ihren Kindern mitzuteilen, dass sie selbst schwanger ist. Der Ehemann möchte auch kein weiteres Kind. Sie ist viele Jahre ohne Verhütung ausgekommen und hat gedacht, dass sie ihren Zyklus kennt. Sie ist sehr entschieden einen Abbruch vornehmen zu lassen.

Finanzielle Problematik
Ein Ehepaar kommt zur Konfliktberatung. Die Frau ist in der 7. Schwangerschaftswoche. Das Ehepaar hat zwei schulpflichtige Kinder. Grundsätzlich wären sie bereit, ein drittes Kind zu bekommen. Beide Elternteile sind berufstätig. Die Frau hat einen befristeten Arbeitsvertrag, der in 4 Monaten abläuft. Der Arbeitgeber wird die schwangere Frau auf keinen Fall nach Ablauf des Arbeitsvertrages weiter beschäftigen. Das Mutterschutzgesetz greift nicht, weil der Arbeitsvertrag zeitlich befristet ist. Der Mann hat einen unbefristeten Arbeitsplatz. In seiner Firma wird zurzeit kurz gearbeitet. Mehrere fest angestellte Mitarbeiter und alle Zeitarbeitnehmer sind entlassen worden. Die Auftragslage lässt sehr zu wünschen übrig. Aufgrund der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage, ist die Zukunft der Firma unsicher. In dieser Situation traut sich das Ehepaar kein weiteres Kind zu. Sie fühlen sich sehr verantwortlich für die beiden schon lebenden Kinder. Sie bedauern ihre Entscheidung, sehen sich aber außerstande ein weiteres Kind zu bekommen. Nur eine sicherere finanzielle Lebens-/ Arbeitssituation könnte ihre Entscheidung ändern. Sie sind sehr traurig, dass sie sich gegen diese Schwangerschaft entscheiden und wissen nicht wie sie den Abbruch seelisch verkraften werden. Sie sehen aber keine andere Möglichkeit.

Religiöse Problematik
Eine 25jährige muslimische Frau aus dem Kosovo kommt in einer Konfliktsituation zu uns in die Beratungsstelle. Sie ist schwanger in der 11. Woche. Die Frau und der Kindesvater freuen sich auf das Kind. Besonders das Ultraschallbild des Ungeborenen hat die junge Frau sehr berührt. Ihre Familie hat sie verstoßen, da sie mit dem andersgläubigen Partner nicht einverstanden sind. Die Frau möchte aber auf jeden Fall mit dem Partner ihr Leben verbringen. Sie nimmt den Beziehungsabbruch der Familie in Kauf. Sie ist sich nicht darüber im Klaren, wie sie finanziell für das Kind sorgen kann. Der Kindesvater selbst ist Asylbewerber. In der Beratung können Perspektiven entwickelt werden wie sie mit Hilfe des Staates, der Arge, dem Eltern- und Kindergeld und mit Bundesstiftungsmitteln für sich und ihr Kind sorgen kann. Sie verlässt die Beratungsstelle mit den Worten. „Ich fühle mich befreit. Ich liebe das Kind. Auch mein Partner wird glücklich sein, wenn ich das Kind bekomme!“

Eine andere muslimische Frau hat einmal Sex gehabt mit ihrem Freund. Sie hat ihre Jungfräulichkeit verloren und ist schwanger geworden. Der Freund steht in dieser Situation nicht zu ihr. Auf keinen Fall darf ihre Familie von der Schwangerschaft etwas erfahren. Sie kann das Kind nicht austragen aus Angst vor der Familie.

Jung und schwanger
Eine junge Frau (20 Jahre) ist im ersten Lehrjahr. Sie hat mit Hilfe des Arbeitsamtes eine Lehrstelle bekommen. Als Teenager hat sie oft die Schule geschwänzt, schlechten Umgang gehabt, Drogen und Alkohol probiert. Jetzt hat sie es endlich geschafft ihr Leben zu ordnen und einen Ausbildungsplatz zu bekommen und in dieser Situation wird sie schwanger. Sie möchte die Schwangerschaft nicht austragen, da sie unbedingt ihre Ausbildung abschließen möchte. Sie glaubt, dass das ihre letzte Chance ist. Sie möchte nicht dauerhaft von Hartz IV leben müssen. Einem Kind möchte sie finanziell etwas bieten können.

Eine sehr junge Frau (16 Jahre) hat nur ein Abgangszeugnis, sie hat keine Lehrstelle, auf Hilfe ihrer Eltern kann sie nicht hoffen, die sind schon lange geschieden. Sie selbst hat Jahre im Heim und in Pflegefamilien verbracht. Jetzt ist sie schwanger und freut sich auf das Baby. Die Beziehung zum Kindesvater ist unsicher, aber für das junge Mädchen ist klar, sie bekommt das Kind. Sie glaubt es allein zu schaffen.

Eine junge Frau ist schwanger. Sie will das Kind auf keinen Fall und sie fühlt sich auch nicht schwanger. Ein Kind passt nicht in ihr Leben. Wie sie den Abbruch verkraften wird, ist ihr gleichgültig.

Hartz IV und schwanger
Frauen / Mütter werden schwanger weil sie sich keine Verhütungsmittel mehr leisten können. Der Hartz IV Regelsatz ist so knapp bemessen, dass die Frauen kein Geld für Verhütungskosten haben und auch nicht 10 Euro für die Praxisgebühr. Die Pauschale von knapp 14 Euro, die im Regelsatz für Arztbesuche und medizinische Versorgung gerechnet werden, gehen mit in den Haushalt. Verhütungskosten werden durch den Staat nicht mehr übernommen aber Schwangerschaftsabbrüche werden bezahlt. Das ist eine moralische Schieflage. Hier sollte gesetzlich dringend nachgebessert werden Es wäre sehr wichtig, dass eine andere Lösung für die Finanzierung der Verhütungsmittel gefunden würde. Zu Zeiten von Sozialhilfe gab es eine Unterstützung durch den Staat. Sexualität kann nicht unbelastet gelebt werden, da immer die Angst vor einer ungeplanten Schwangerschaft besteht. Ein Schwangerschaftsabbruch kann eine Frau / den Mann und auch die Partnerschaft sehr stark psychisch belasten.